Bei den Schwaben: Spätzle und Maultaschen

Kaum zu glauben: Fünf von acht Wochen Praktikum sind schon vorbei. Die Zeit verfliegt nur so, ein gutes Zeichen, wie ich finde. Inzwischen ist so einiges Routine geworden, trotzdem ist die Arbeit nach wie vor spannend. In der Freizeit unternehme ich so gut wie gar nichts. Genau genommen bin ich ziemlich langweilig (geworden). Obwohl ich hier ja auch im Ausland bin, wäre ein Vergleich mit Madrid eher unpassend. Apropos Ausland. Vor ein paar Tagen las ich in der U-Bahn einen Artikel eines Erasmusstudenten über Madrid. Das hat mich wieder erinnert! Innerlich hätte ich weinen können, weil das alles vorbei ist, aber ich musste dann doch lachen, weils so eine irre Zeit war. Wahnsinn, wie weit das inzwischen schon in der Vergangenheit liegt. Ich denke noch oft an das Gefühl das ich immer hatte, als ich mit dem letzten Bus den Hügel hinauf ins Zentrum fuhr, unter der Puente de Segovia (Viaducto) durch, vorbei am hell erleuchteten Palacio Real und dann die letzte Kurve, die der Bus nahm um dann auf Hauptplatz Sol einzubiegen. Immer fröhlichen Funk in den Ohren (meistens Antibalas, weil die auf spanisch singen 🙂 ), der noch besseren Laune wegen. Dieses Ritual läutete immer die Nacht ein, die in Madrid meinen Tag ersetzte. Vergessen ist die Angst die ich noch im Jänner hatte, weil ich kein Wort Spanisch sprach. Die unzähligen, kleinen, nervigen Angelegenheiten des Alltags dort sind genauso verdrängt wie die Sonntag-Abende, an denen ich jedes mal die Hausaufgaben für FSaV erledigen musste. Was blieb sind nur die fröhlichen und lustigen Erinnerungen. Das war schon eine verrückte Zeit, die ich sehr genossen habe. Aber genauso wie ich in Madrid das Glück hatte, großartige Menschen kennen zu lernen und dort ziemlich ohne gröbere Probleme zu leben, hatte ich auch hier bei den Germanen „mal wieder Schwein, ne“. Dennoch wage ich eine kleine Gegenüberstellung.

Die Vorteile von Madrid:

  • Das Wetter und die Größe der Stadt

  • Spanier/innen (das auch mal was gegendered wird)

  • Unkomplizierter Alltag, spanisch eben

  • Das Essen (wobei ich ja als „Señior Pizza“ eine sehr einseitige Ernährung hatte)

  • Freizeitmöglichkeiten (aufgrund der Freizeit/Uni Ratio begünstigt)

  • Man versteht nur das, auf das man sich konzentriert, und das nicht immer

Die „Nachteile“:

  • Es dauert alles ewig, spanisch eben (ich warte noch immer auf meine Zeugnisse)

  • Ich hab mich dauernd verlaufen, weil ich mir die Straßennamen so schwer merken konnte

Die Vorteile von Stuttgart:

  • Alles pünktlich, alles schnell, deutsche Präzision (könnte man auch als Penibilität bezeichnen :-))

  • Maultäschle

Die „Nachteile”:

  • Man versteht ungewollt alles, auch ohne sich darauf zu konzentrieren

  • Mobilfunkpreise (unglaublich, was man hier bezahlt. Deswegen benützen die Festnetz! Auch die jungen Leute! Echt!)

Alles in allem bin ich hier auch wieder recht glücklich und zufrieden mit meiner Gesamtsituation. Abends falle ich sowieso um spätestens Mitternacht ins Bett, weil ich vom Arbeiten so erledigt bin, tagsüber vergeht die Zeit schnell und ich hab einen ziemlichen Spaß (oder, wie es hier heißt „Spass, ne!“ oder auch „Stimmung!“). Die sprachlichen Differenzen sind überschaubar, auch wenn manche Schreibweisen und Ausdrücke dem österreichischen Sprachverständnis fremd sind. So schmerzt es mich jedes mal, wenn ich den schönen Beruf des Wissenschafters mit einem „G’schaftel-L“ verbrämen muss. „Wissenschaftler heißt das“, wies man mich auf meinen ‘Fehler’ hin (Danke übrigens an die Zuschriften, die mich auf ein eingeschlichenes L hingewiesen haben. Ich kann nichts machen. Sie schreiben es leider wirklich so! Verrückt, ich weiß…). Hier geht man auch nicht zur Arbeit, nein, man geht ins G’schäft. Dass die Aussage „Heut wars G’schäft aber anstrengend“ einen anderen Sinn ergibt, „blicken“ viele hier nicht :-). Im Allgemeinen wird mal als Ösi oder Öschi akzeptiert und respektiert. Leider greifen viele Ösi-Klischees bei mir nicht, die man hier landläufig so von uns hat. Deswegen gibt es auch immer lange Gesichter, wenn man mich nach meinen wintersportlichen Ambitionen befragt. Manchmal spreche ich aber zum Spaß besonders undeutlich, dann freuen sie sich über den Alpensepp und fühlen sich überlegen. Das mag der Deutsche 🙂

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Zwischenbericht

Die ersten zwei Wochen meines Praktikums sind schon vorbei. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell und die Arbeit macht mir nach wie vor sehr viel Spaß. Mein Wecker läutet jeden Tag um Punkt 7 Uhr früh. Nach einer kurzen Aufwachphase (Löskaffee 🙂 ) von etwa einer Stunde, nehme ich die Stadtbahn Richtung Vaihingen. Dort steige ich in die Schnellbahn Richtung Flughafen und erreiche nach etwa einer halben Stunde Leinfelden, wo sich die Firma befindet. Um spätestens 9 Uhr beginnt die Suche nach aktuellen Themen. Am Interessantesten sind die Online-Vorabveröffentlichungen von Fachzeitschriften wie Nature, Proceedings of the Royal Society B oder Science. Auf Tickerdiensten wie Eurekalert der American Association for the Advancement of Science oder AlphaGalileo, haben Pressedienste Zugriff auf die neuesten Meldungen. Um ca. halb 11 werden die Themen besprochen und ausgewählt. Je nach Nachrichtenlage, beginne ich dann ein tagesaktuelles Thema oder bereite eine Meldung für den nächsten Tag vor. Die Nachrichten sind mit einer Nachrichtensperre belegt (embargoed news), vor der die Meldung nicht veröffentlicht werden darf. Eine Meldung besteht meistens aus einer allgemeinverständlichen Pressemitteilung und dem Originalartikel. Die Herausforderung ist es, die Kernaussagen des Papers in eine verständliche und gut lesbare Form zu bringen. Für mich ist das sehr spannend, weil ich bei den meisten Themen selbst recherchieren muss, um die Nachricht überhaupt erklären zu können. So lerne ich nebenbei viel.

Der Schreibstil war für mich auch sehr neu. Da die Nachrichtenlänge begrenzt ist, darf ich auch nicht zu weit ausholen, was manchmal schwierig sein kann. Meine zwei Vorgesetzten kürzen jedoch mit Freude zu lange Passagen und formulieren den ein oder anderen verkorksten Satz um.

Das Arbeitsklima ist sehr angenehm. Auch die anderen Mitarbeiter sind alle sehr freundlich. An die Gepflogenheiten beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine konnte ich mich schnell anpassen.

Abends bin ich immer ziemlich erledigt und geh früh schlafen.

Stuttgart gefällt mir recht gut. Die Größe der Stadt ist mir gerade recht. Es gibt nicht besonders viele schöne Gebäude, da Stuttgart im Gegensatz zu Dresden in modernerem Stil wieder aufgebaut wurde. Die Jazzwoche ist gerade vorbei. Letzte Woche war ich auf einem Konzert in der Kiste, einer Jazzbar. Ansonsten unternehme ich unter der Woche abends so gut wie nie etwas.

Auffällig ist, dass die Stuttgarter bei jedem Wetter draußen sitzen. Das scheint hier allgemein üblich zu sein. Das Stadtbahnnetz ist allgemein recht gut, nur meine Verbindung zur Arbeit ist nicht so optimal. Momentan habe ich aber Glück, da der Schnellzug meistens 5 Minuten verspätet ist. So erwische ich den früheren Zug und bin in ca. 20 Minuten auf der Arbeit. Gestern Abend hätte ich fast die letzte Ubahn verpasst, weil die angezeigte Linie nicht gestimmt hat. Nachdem ich den Fahrer gefragt hatte, wo der denn jetzt hinfährt (irgendwie kam mir vor, er war sich selbst nicht ganz sicher 🙂 ) habe ich mich doch getraut einzusteigen. Es hat dann zwar gepasst, aber andere Leute waren dann in der falschen Richtung unterwegs. Anscheinend ist das so, dass bei der letzten Ubahn der Bahnhof, in dem der Wagen sozusagen übernachtet, angezeigt wird. Das finde ich überhaupt nicht logisch 🙂

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