Blattlinien in überregionalen Tages- und Wochenzeitungen

Österreich verfügt über ein überschaubaren Zeitungsmarkt, dem es insbesondere an überregionalen Qualitätserzeugnissen mangelt. Trotz einiger weniger Lichtblicke, beherrscht das Kleinformat den Markt und damit zu weiten Teilen die öffentliche Meinung. Um dem Zeitungssterben entgegenzuwirken, bieten die meisten Tages- und Wochenzeitungen zusätzlich ein Online-Portal an. Das Österreichische Mediengesetz sieht in periodisch erscheinenden Medien eine sogenannte Offenlegung (§25) vor, in der nicht nur die Eigentumsverhältnisse der Medien, sondern auch eine Erklärung über die grundlegende Richtung eines periodischen Druckwerks anzugeben ist. Darunter versteht man die sogenannte Blattlinie, in der die grundlegende Orientierung eines Mediums dargelegt wird. Diese Blattlinie ist auch für Online-Medien vorgesehen und wird meist im Impressum angegeben. In Deutschland spricht man hingegen vom Tendenzschutz. Weitere Vorgaben, welche die Tendenz oder Richtung einer Publikation darlegen, finden sich oftmals in sogenannten Redaktionsrichtlinien (hier ein Beispiel des Datums) oder in den Statuten.

Die Blattlinien der Medien und ihre Web-Portalen bieten einen interessanten Überblick über das Selbstverständnis der österreichischen Medien. Anbei eine unkommentierte Liste der bekanntesten überregionalen Tages- und Wochenzeitungen und ihren Blattlinien. Nicht nur die Bezeichnung der Offenlegung (Blattlinie, grundlegende Ausrichtung, Grundsätze), sondern auch deren Umfang bieten Aufschluss über die Eigensichtweise der reichweitenstärksten Medien im Lande. Alle Beiträge sind direkte Zitate, die ich dem Impressum des jeweiligen Mediums entnommen habe. Alle Blattlinien stammen vom 28.10.2015.

Linienkultur: Überblick über die Blattlinien österreichischer Medien

Falter

Grundlegende Richtung:

Gegen das Falsche in Politik und Kultur. Für mehr Lebenslust.

Heute

Blattlinie:

Heute ist unabhängig von allen politischen Parteien, Institutionen und Interessensgruppen und steht daher für eine offene, unabhängige und ausgewogene Berichterstattung über alle Ereignisse von öffentlichem Interesse aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport usw.

Kleine Zeitung

Vereinszweck:

1. Der Verein fördert christliche Medienarbeit, insbesondere die Bildung von Medienfachleuten, die Herstellung und Verbreitung von Medienwerken aller Art, die dem Geist der katholischen Kirche und ihrer Lehre, den Dialog zwischen Glauben und Wissenschaft, der ökumenischen und interreligiösen Begegnung, der katholischen Soziallehre, dem Schutz der Menschenwürde und den Grundsätzen der Demokratie und Völkerverständigung dienen. 2. Der Verein verfolgt ausschließlich gemeinnützige, caritative und/oder kirchliche Zwecke im Sinne der §§ 34 ff Bundesabgabenordnung in der jeweils gültigen Fassung.

Grundlegende Richtung:

www.kleinezeitung.at ist eine von allen politischen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige Plattform für digitale Medien. Sie steht auf dem Boden christlicher Weltanschauung, tritt für eine plurale, demokratische Gesellschaftsordnung, die Eigenständigkeit der Bundesländer und die völkerrechtliche Unabhängigkeit der Republik Österreich ein und begrüßt den europäischen Einigungsprozess.

Krone

Grundlegende Richtung:

Online Serviceseite für „Krone”-Abonnenten und „Krone”-BonusCard-Besitzer als auch Bestellseite für Neukunden.

Kurier

Grundsätze und Ziel des KURIER:

A) Die politische (grundlegende geistige) Richtung des KURIER bestimmt der Herausgeber.

1. Der KURIER ist eine unabhängige österreichische Tageszeitung.

2. Die Redaktion hält sich daher von allen direkten und indirekten Einflüssen politischer Parteien und Interessengruppen frei.

3. Der KURIER setzt sich vorbehaltlos für die Integrität, Eigenstaatlichkeit und den föderalistischen Aufbau der Republik Österreich und deren konstruktiven Beitrag zum europäischen Einigungsprozess ein.

4. Der KURIER bekennt sich zur parlamentarischen Demokratie und zum Rechtsstaat. Durch seine publizistische Tätigkeit fördert er deren Weiterentwicklung. Er bekämpft konstruktiv Missstände im demokratischen Leben.

5. Der KURIER betrachtet sich als Instrument der demokratischen Meinungsbildung im Sinne einer umfassenden Informationsfreiheit.

6. Der KURIER tritt für die größtmögliche Freiheit der Staatsbürger im Rahmen der Gesetze ein. Er bejaht daher eine freie Gesellschaftsordnung und ihre geordnete Weiterentwicklung, die jeden Extremismus ausschließt.

7. Der KURIER unterstützt Idee und System der Sozialen Marktwirtschaft unter Berücksichtigung der Ökologie.

8. Richtschnur seiner publizistischen Tätigkeit ist die Vertiefung der Toleranz in allen Lebensbereichen, die Verteidigung der Gewissensfreiheit und die Achtung vor allen Glaubens- und Religionsgemeinschaften.

B) Blatt-Typus: Der KURIER ist eine überregionale Tageszeitung, die sich mit dem Ziel einer möglichst weiten Verbreitung an Leser aus allen Schichten der Bevölkerung wendet und diesen umfassende, objektive und rasche Information, kritische und profilierte Kommentierung und gehaltvolle Unterhaltung bietet.

Oe24 (Österreich)

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Die Presse

Blattlinie

Die grundlegende Blattlinie der “Presse” ist im Redaktionsstatut wie folgt festgehalten: “Die Presse vertritt in Unabhängigkeit von den politischen Parteien bürgerlich-liberale Auffassungen auf einem gehobenen Niveau. Sie tritt für die parlamentarische Demokratie auf der Grundlage des Mehrparteiensystems und die Rechtsstaatlichkeit ein.

Die Presse bekennt sich zu den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit bei Aufrechterhaltung der Eigenverantwortlichkeit des Staatsbürgers, zur Wahrung des privaten Eigentums unter Beachtung seiner Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft, zu den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft, zur freien unternehmerischen Initiative und zum Leistungswettbewerb.

Sie verteidigt die Grundfreiheiten und Menschenrechte und bekämpft alle Bestrebungen, die geeignet sind, diese Freiheiten und Rechte oder die demokratische rechtsstaatliche Gesellschaftsordnung zu gefährden.

Die Presse betrachtet es als journalistische Standespflicht, ihre Leser objektiv und so vollständig wie nur möglich über alle Ereignisse von allgemeinem Interesse zu informieren. Stellung zu nehmen und Kritik zu üben wird von der Tageszeitung Die Presse als ihre Aufgabe und ihr unveräußerliches Recht angesehen.

Salzburger Nachrichten

SN-Blattlinie

Die Salzburger Nachrichten sind eine parteipolitisch unabhängige Tageszeitung, dem christlichen Weltbild verpflichtet, und treten unabdingbar für die Freiheit des einzelnen Menschen ein. Die Salzburger Nachrichten sind gegen jede totalitäre Herrschaftsform, respektieren die von der UNO deklarierten Menschenrechte und bekennen sich zu einem neutralen demokratischen Österreich, zur Rechtstaatlichkeit und zum System der sozialen Marktwirtschaft. Die Salzburger Nachrichten sehen in der Erfüllung ihrer Aufgabe, der Information und der Kontrolle, einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen Gesellschaft. Die Freiheit der Journalisten, nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten zu können, ist durch den Herausgeber garantiert.

Der Standard

Blattlinie

Der Standard ist ein liberales Medium. Es ist unabhängig von politischen Parteien, Institutionen und Interessengruppen und wendet sich an alle Leserinnen und Leser, die hohe Ansprüche an eine gründliche und umfassende Berichterstattung sowie an eine fundierte, sachgerechte Kommentierung auf den Gebieten von Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft stellen.

derStandard.at tritt ein:

  • für die Wahrung und Förderung der parlamentarischen Demokratie und der republikanisch politischen Kultur.
  • für rechtsstaatliche Ziele bei Ablehnung von politischem Extremismus und Totalitarismus.
  • für Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit des Landes nach den Prinzipien einer sozialen Marktwirtschaft.
  • für Toleranz gegenüber allen ethnischen und religiösen Gemeinschaften.
  • für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger und Staatsbürgerinnen und aller Bundesländer der Republik Österreich.

Sie werden sagen: “Das können andere auch sagen.” Das stimmt. Doch es kommt darauf an, mit welchem Leben die Lippenbekenntnisse erfüllt werden. DER STANDARD I derStandard.at leben die Blattphilosophie in einer ebenso klaren wie anspruchsvollen Weise. Er trennt zwischen Bericht und Kommentar, gewichtet die Ereignisse und lässt seinen Lesern den nötigen Spielraum für die eigene Meinung. So fördert er, was zugleich sein Ziel ist: eine mündige Leserschaft.

Tiroler Tageszeitung

Grundlegende Richtung:

tt.com ist ein unabhängiges Tiroler Online-Medium. Es ist unabhängig von politischen Parteien, Institutionen und Interessensgruppen. tt.com berichtet und kommentiert gründlich und umfassend mit Schwerpunkt Tirol über Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport und betrachtet sich als Instrument der demokratischen Meinungsbildung im Sinne der umfassenden Informationsfreiheit.

tt.com tritt ein für:

die Wahrung und Förderung der parlamentarischen Demokratie, der Menschenrechte und des Rechtsstaates, sowie für den föderalistischen Aufbau der Republik Österreich und deren konstruktiven Beitrag zum europäischen Einigungsprozess, die Vertiefung der Toleranz gegenüber allen ethnischen und religiösen Gemeinschaften, eine freie Gesellschaftsordnung, die jeden Extremismus ausschließt, Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt.

Wiener Zeitung

Grundlegende Richtung, Blattlinie

Die Wiener Zeitung erklärt die Berichterstattung und Stellungnahme zu den wichtigsten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen und Entwicklungsprozessen als ihr redaktionelles Ziel. Sie rückt dabei stets die Interessen der Republik Österreich in den Vordergrund. Insbesondere obliegt ihr eine ausführliche Darstellung des parlamentarischen Geschehens und des sonstigen politischen Lebens.

Wirtschaftsblatt

Grundlegende Richtung:

wirtschaftsblatt.at ist eine politisch unabhängige, liberale österreichische Nachrichtenplattform, deren Berichterstattung auf wirtschaftlich relevante Informationen konzentriert ist. wirtschaftsblatt.at vertritt den Standpunkt, dass eine funktionierende Marktwirtschaft der sicherste Weg zu höherem Wohlstand in einer besseren Gesellschaft ist. Deshalb unterstützen wir die Entfaltung der Marktwirtschaft und treten gegen ihre Beschränkungen, etwa durch Kartelle, Monopole oder eine restriktive Gewerbegesetzgebung, auf. Im Interesse seiner User unterstützt wirtschaftsblatt.at die freie unternehmerische Entfaltung und den internationalen Warenaustausch im Rahmen demokratisch beschlossener Gesetze.

wirtschaftsblatt.at tritt im Interesse der Steuerzahler für eine sparsame Gestion der öffentlichen Haushalte ein und ist dort besonders kritisch, wo mit fremdem Geld gewirtschaftet wird; zum Beispiel bei staatsnahen Organisationen und in Publikumsaktiengesellschaften.

wirtschaftsblatt.at setzt sich für eine breite Streuung des Aktienbesitzes und eine offene, transparente Börse ein. Ein Hauptziel der Nachrichtenplattform ist es, mit seinen Usern in einen Dialog zu treten, für sie nützlich zu sein und ihre Unabhängigkeit durch nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

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